Kleidung

Gefunden wurden Fragmente von Pelz, Daunen, Lederreste (Riemenstücke, Messerscheiden, Beutel, Gürtel), Seidenstoffe mit aufgenähten Brettchenbändern, Wollstoffe, Leinen und Hanf (in den Farben rot, blau, gelb, grün, weiß/natur).

Pelz: Eichhörnchen, Marder, Biber, Schaf

Stoffe/Farben:                                                                                                           - rot kariertes Leinen (z. B. mittels eingewebtem roten Faden)                               - dunkelblau                                                                                                               - rotbraun                                                                                                                  - weiß/naturfarben                                                                                                    - hellbraun

Seide: rot, blaugrün, blau, goldgelb

                                          Frauentracht:

Hemd:   Leinen (entweder glatt - in der späteren Birkazeit - oder gaufriert*); eine Stoffbahn; mit Halsausschnitt, der manchmal mit einem Schlitz für eine kleine runde Spange versehen war

* = gaufriert: "Die feine Fältelung stellte man her, indem man Fäden durch den Stoff zog, ihn zusammenzog und fältelte, dann durchfeuchtete man ihn, streckte und trocknete ihn. Ob das ganze Hemd oder nur Teile davon gefältelt waren, läßt sich nicht mit Sicherheit sagen".

Untertunika:  Ein nach den Körperformen geschnittenes und genähtes Kleidungsstück, das gleich unter dem Trägerrock getragen wurde. Aus Leinen oder Wolle aufgenähte Brettchenbänder gehen quer über die Brust.

Trägerrock:  Meist aus Wollstoff, nur die Träger aus Leinen und evtl. als Futterteil für die obere Saumkante. Oft war die Saumkante außerdem mit einer Wollschnur verziert, oder auch mit einem schmalen Seidenband. Es gibt aber auch Funde von ganz leinernen Trägerröcken.                                                                                    "Es kam hier sogar ein Über- und ein Unterrock vor, der äußere dunkelblau mit einer roten Wollschnur an der oberen Saumkante, und der Unterrock weiß/naturfarbig".

Obertunika:  Sie zog man wie einen Mantel über dem Hemd, der Untertunika und dem Trägerrock an. Sie war aus Wolle oder Leinen, vorne nicht geknöpft, sondern mit einer Spange zugehalten. Die Öffnungskanten waren vermutlich recht weit voneinander getrennt, damit die Brustpartie mit den Schalenspangen, Perlenketten usw. sichtbar war.

Kopfbedeckung:  Gefunden wurden Reste davon mit Brettchenwebbändern aus Silber oder Gold oder Borten mit Spiralsilberdraht.

"Sowohl in der Männer- wie in der Frauentracht hat man häufig die Borten über den Gewandsäumen und Nähten angebracht, am Hals- und Ärmelbund, evtl. auch an der unteren Saumkante. In erster Linie dienten sie zur Verzierung der Vorderseite. Das geht vor allem aus der Schichtenfolge der Frauengräber hervor, wo dieser Schmuck nie am Rückenteil vorkommt".

Mehr Bilder Frauenkleidung gibt es  hier

                                       Quellen:

                 Birka II:2 Systematische Analyse der Gräberfunde

                                   Männertracht:

Mehr Bilder Männerkleidung gibt es hier

In Männergräbern ist noch weniger von Textilien erhalten geblieben, als in Frauengräbern. Andererseits kann man hier die Angaben der Grabfunde mit den zeitgenössischen Berichten vergleichen (z. B. Ibn Fadlans Bericht über die Rus an der Wolga aus der Zeit um 920 und der Ibn Rustahs, Mitte des 10. Jh enthalten viele interessante Details über Kleidung). Auch gibt es Bilddarstellungen, die ein wenig Aufschluss geben, wie der Wandteppich von Oseberg, Pressbleche an den Helmen von Vendel und Valsgärde u. a.                                                                     Textile Teile der männlichen Birkatracht waren in ca. 50 Gräbern enthalten. Nachgewiesen wurden: Überwurf, Kaftan, Untertunika, Hosen, Beinwickel, verschiedene Kopfbedeckungen und Gürtel.

Überwurf: Aus Wolle gröberer Qualität oder tweedähnlichem Stoff, der zwar etwas feiner gewebt, aber auch mehr verfilzt war. In manchen Fällen war er vermutlich blau. Er wurde mit einer Ringfibel oder Ringnadel zugehalten. Vermutlich könnte diese Fibel entweder an der rechten Schulter oder an der rechten Hüfte getragen worden sein.

Beinwickel: Grab Bj (Birka) 905: Bronzehaken unter der Kniekehle. Auf der Rückseite der Haken waren Reste von grobem Diagonalköper aus Wolle. Die Haken waren nach oben gerichtet, um in je einen Eisenring zu haken, der an der Unterkante der bis über die Knie reichenden Beinkleider festgenäht war. An den Eisenringen sitzen noch Reste von Leinen, die davon zeugen, dass die Beinkleider aus Leinen bestanden, oder vielleicht aus Wollstoff mit Leinenbesatz.

Kaftan: Kaftane waren meist aus Leinen oder Wollstoff, vorne geknöpft. Die Knöpfe bestanden meist aus Bronze (selten Blei), sind kugelförmig, glatt oder mit einer einfachen geritzten Verzierung versehen. Die Knopfreihen gehen vom Hals aus bis zur Taille. In einigen Gräbern wurden Ledergürtel mit Schnallen und Beschlägen gefunden.                                                                                                Als Verzierung kommen vor allem Posamentenborten und Flechten aus Spiralsilberdraht, aber auch Silber- und Golddrahtstickereien vor. Selten kamen Brettchenborten mit Goldschuss vor.                                                                        Der Kaftan aus dem reichsten Grab Bj 944 besteht aus Leinen, auf dem Seidenborten und andere Zierbesätze befestigt sind. Bei diesem Kaftan fand man keinen Ledergürtel, sondern Knötchenborten aus Spiralsilberdraht - vermutlich die herabhängenden Endstücke eines Seidengürtels.                                               Es wurden auch Reste von Kaftanen gefunden, die zwar oben beschriebene Zierborten besaßen, aber keine Knopfreihen hatten. Dennoch waren sie wohl vorne offen.                                                                                                               Gefunden wurden Posamentenborten auf einer Unterlage von Seide und blaugrauem Wollstoff.

Tunika: Die Tunika war üblicherweise aus Leinen oder Wollstoff mit Besätzen aus Seide und Brettchenborten (ab und zu auch mit Silberschuss) - auch Stickereien kamen auf der Tunika vor.                                                                                         Es gab z. B. eine aus blaugrauem Wollstoff mit Seidenbesätzen und Brettchenborten. Die Taille zierte eine Silberdrahtstickerei in Mäanderform. Die Ärmel waren lang - oder 3/4 lang und mit längs- oder querlaufenden Brettchenbändern verziert.                                                                                       Es wird vermutet, dass zu den reich verzierten Tunikas keine Ledergürtel getragen wurden.                                                                                                      In einem Grab (Bj 855) wurden Tunikafragmente aus sehr dichtem Köpergewebe (Diamantköper ?) gefunden mit ca. 40 Kett(?)-Fäden auf 1 cm.

Kopfbedeckungen: Es wurden ca. 20 Stück gefunden - so z. B. die Zipfelmütze, die mit einem trichterförmigen Silberbeschlag verziert war. Entweder ganz aus Seide oder zumindest teilweise. Dazu wurden in einem Grab vier glöckchenförmige Zierrate aus Silberdraht gefunden, die möglicherweise an einem schmalen Seidenband in einer Reihe untereinander hingen. Eine Mütze besaß eine Golddrahtborte, die von der Stirn längs der Scheitellinie zur Mützenspitze lief. Dann gab es noch Verzierungen aus Silberdraht und eventuell ein Brettchenband mit Silberschuss.                                                                         Die zweite Mützenart war wahrscheinlich aus Wollstoff und eher rundlich wie eine Kappe. Geschmückt waren sie mit Posamenten aus Silberdraht, oder mit Flechtborten rund um den Rand der Mütze.                                                              Es kam vor, dass eine Borte an der Unterlage aus vergoldeter Seide befestigt war (dünne, damastartige Seide chinesischen Ursprungs - Grab Bj 944).                         Dann gab es noch Kopfschmuck in Form eines Diadems - Brettchenbänder mit Goldlahn-Schuss.

*********Quelle: Birka II:2 Systematische Analyse der Gräberfunde************

Auf Hosen wird nicht näher eingegangen.

In Birka erfreute sich der im persische-arabischen Gebiet getragene Kaftan vom 8.-10. Jh großer Verbreitung, einschließlich des Besatzes mit Seidenband. Der heimische Leibrock wurde - möglicherweise ebenfalls unter dem Einfluß des arabisch-persischen Kaftans oder des byzantinischen Reiterrocks - umgestaltet. Bereits in den ältesten Gräbern von Birka aus dem 9. Jh fanden sich auch Reste des in sich gemusterten Leinenhemdes.                            

**********Quelle: "Wikinger & Slaven" von Joachim Herrmann***********

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